Allergien verstehen

Dr. Schlotmann

Allergien verstehen: Ursachen und Behandlung allergischer Reaktionen

Bei einer allergischen Reaktion reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte Allergene aus der Umwelt. Die Betroffenen haben mit den verschiedensten Symptomen zu kämpfen, die von Reaktionen wie Schnupfen oder Juckreiz bis hin zu einem anaphylaktischen Schock reichen können. Eine Behandlung der Ursachen bzw. Symptome erleichtert Betroffenen den Umgang mit ihrer Allergie immens.

Was ist eine allergische Reaktion?

Eine allergische Reaktion, auch Überempfindlichkeitsreaktion genannt, ist eine unangemessene Reaktion des Immunsystems auf eine in der Regel harmlose Substanz aus der direkten Umwelt. Die allergische Reaktion entsteht dann, wenn das Immunsystem diese harmlosen Stoffe als Fremdstoffe identifiziert und angreift. Dadurch zeigt der Körper eine übertriebene Abwehrreaktion und typische Symptome entstehen.

Welche Ursachen liegen einer allergischen Reaktion zugrunde?

Die Ursachen für eine Allergie sind häufig nicht singulär, sondern sind eine Kombination verschiedener Faktoren. Grundsätzlich gibt es zwei Bereiche, aus denen die Ursachen einer Allergie entstammen.

Genetik als Ursache für Allergien

Bestimmte Genregionen begünstigen Allergien. Einige Menschen sind somit genetisch vorbelastet und besonders anfällig für bestimmte Allergien. Diese genetisch vorbelasteten Menschen leiden häufig unter Allergien, wenn zu ihrer Vorbelastung ein geschwächtes Immunsystem, Umweltschadstoffe oder ein erhöhtes Vorkommen der Allergene, z. B. Pollen im Frühling, vorliegt.

Umwelteinflüsse als Ursache für Allergien

Bestimmte Umwelteinflüsse gehören zu den häufigsten Gründen für eine allergische Reaktion. Primär ist dabei der Kontakt mit fremden Substanzen, also Allergenen, der Auslöser für Symptome. Klassische Beispiele dafür sind Allergien wie Heuschnupfen, Pollenallergie, Hausstauballergien, eine Katzenhaarallergie oder eine Sonnenallergie. Darüber hinaus können auch der Kontakt mit Schadstoffen wie Abgasen oder Tabakrauch allergische Reaktionen hervorrufen.

Welche Allergene lösen am häufigsten allergische Reaktionen aus?

Folgende Allergene bei vielen Menschen besonders häufig allergische Reaktionen der Haut oder des Immunsystems aus:

  • Pollen
  • Tierhaare bzw. Tierhautschuppen von Haustieren und Nutztieren (z. B. bei einer Katzenhaarallergie)
  • Hausstaubmilben bzw. Kot von Hausstaubmilben (z. B. bei einer Hausstauballergie)
  • Schimmelpilze
  • Insektengift
  • Medikamente
  • Latex
  • Bestimmte Nahrungsmittel, z. B. glutenhaltiges Getreide, Erdnüsse, Milcheiweiß
  • Haushaltschemikalien

Welche Symptome treten bei einer Allergie auf?

Die Symptome, die bei einer Allergie auftreten, sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Da das individuelle Immunsystem jeweils anders auf bestimmte Allergene reagiert, sind die Reaktionen des Körpers teils stark unterschiedlich. Zu den häufigsten Symptomen einer Allergie gehören jedoch:

  • Schnupfen, Husten, Atembeschwerden, Niesen
  • Laufende Nase
  • Juckreiz, z. B. an den Augen, der Haut
  • Tränen, Brennen und Anschwellen der Augen und Schleimhäute
  • Rötung der Haut bzw. Hautausschlag
  • Asthmaanfälle
  • Anaphylaktischer Schock
  • Weitere Symptome: Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Müdigkeit bzw. Abgeschlagenheit

Wie wird eine Allergie diagnostiziert?

Inzwischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit Allergietests eine Allergie zu diagnostizieren. Eine Diagnose ist allerdings auch im Rahmen einer regelmäßigen Gesundheitsuntersuchung diagnostizierbar. Grundsätzlich ist bei den Allergietests zwischen Hauttests, Provokationstests und Bluttests zu unterschieden.

Hauttests

Prick-Test

Bei einem Prick-Test tröpfelt der Arzt eine mit Allergenen versetzte Lösung auf eine markierte Stelle auf der Haut. Danach ritzt er die Stelle mit einer Lanzette leicht ein, damit die Allergene in die Haut eindringen können. Durch dieses Verfahren lässt sich feststellen, ob die Haut eine Allergiereaktion zeigt. Hilfreich ist dieses Verfahren vor allem für Allergien, die direkt nach Kontakt eine Reaktion hervorrufen. Das ist bspw. bei Heuschnupfen oder bestimmten Nahrungsmittelallergien der Fall.

Scratch-Test

Für den Scratch-Test ritzt der Arzt die Haut ähnlich wie beim Prick-Text oberflächlich an. Anstatt aber die Allergene lediglich auf die Stelle zu tröpfeln, reibt er die Allergene direkt über die angeritzte Stelle, wodurch die Allergene tiefer in das Gewebe eindringen können. Bei diesem Test kommt es häufiger zu Hautirritationen. Er kommt oft zum Einsatz, wenn der Prick-Test keine eindeutigen Ergebnisse liefern konnte.

Epikutantest (Pflastertest)

Für einen Epikutantest klebt der behandelnde Arzt ein Pflaster mit den vermuteten Allergenen auf den Rücken des Patienten. Dieses bleibt dort für mindestens einen Tag, allerdings kann es insgesamt bis zu drei Tagen dauern, bis sich eine Reaktion zeigt. Das liegt daran, dass die Allergene, die bei einem Epikutantest überprüft werden (z. B. Medikamente, Latex oder Kosmetika) in der Regel erst nach einer gewissen Zeit eine Reaktion hervorrufen. Mithilfe des Epikutantests lassen sich Kontaktallergien identifizieren, die allergische Reaktionen auf der Haut auslösen.

Provokationstest

Der Provokationstest gibt Gewissheit, wenn trotz allergischer Symptome bspw. der Epikutantest keine Reaktion auf der Haut zeigt. Der vermutete, allergieauslösende Stoff wird hierbei auf die Nasenschleimhaut gegeben. Anschließend beobachtet der Arzt, ob und wie stark der Körper auf das Allergen reagiert. Da es beim Provokationstest zu starken allergischen Reaktionen kommen kann, findet der Test in der Regel immer unter ärztlicher Aufsicht in der Praxis statt.

Bluttest

Ein Bluttest kommt oft dann zum Einsatz, wenn eine Hauterkrankung vorliegt, die das Ergebnis eines Hauttests verfälschen könnte oder die Haut durch einen Test zu stark belastet werden würde. Für einen Bluttest entnimmt der Arzt Blut aus der Armvene. Im Anschluss wird im Labor die Anzahl der IgE-Antikörper im Blut gemessen. Im Falle einer Allergie ist ihre Anzahl im Blut erhöht, wobei die Menge an Antikörpern nicht zwingend mit der Stärke der Symptome zusammenhängt.

Wie kann ich einer Allergie vorbeugen?

Maßnahmen zum Vorbeugen einer Allergie beginnen im besten Fall bereits während der Stillzeit. Das Stillen hilft Säuglingen dabei, einen natürlichen Schutz vor Allergien aufzubauen. Dazu trägt auch eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft bei. Rauchen sollte während dieser Zeit vermieden werden, da Passivrauchen als besonderes Allergierisiko gilt.

Darüber hinaus sind umweltbezogene Maßnahmen wie die Vermeidung oder Beseitigung von Allergenen effektive, häufig aber schwierig umsetzbare Mittel zur Vorbeugung. Die Auslöser für Allergien wie Heuschnupfen, eine Pollenallergie, Gräserallergien oder gar eine Sonnenallergie lassen sich kaum vermeiden. Ein Desensibilisierung bzw. Hyposensibilisierung durch Allergen-Immuntherapien ist in diesen Fällen oft die beste Alternative.

Bei einem Prick-Test lassen sich allergische Reaktionen der Haut auf bestimmte Allergene überprüfen und analysieren.

Wie wird eine Allergie behandelt?

Um die Symptome einer Allergie zu behandeln, sind Medikamente gut geeignet. Dabei ist zwischen lokal wirkenden (topischen) Medikamenten wie Augentropfen, Nasenspray und Inhalationspulver und systemisch wirkenden Medikamenten zu unterscheiden. Systemisch wirkende Medikamente wirken dabei auf den gesamten Körper und lindern verschiedenste Symptome.

Unabhängig davon ist es auch möglich, eine Allergen-Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, durchzuführen. Ziel der Therapie ist es, Allergiesymptome langfristig zu verringern, ohne, dass der Patient Antihistaminika einnehmen muss. Der Körper soll bei der Therapie an bestimmte Allergene gewöhnt werden. Dafür führt der Arzt dem Patienten Allergene zu, entweder als Spritze oder als Tabletten oder Tropfen. Die Behandlung kann drei bis fünf Jahre dauern.

Was kann ich bei einer akuten allergischen Reaktion tun?

Eine akute allergische Reaktion kann zu einem anaphylaktischen Schock führen, weshalb in diesen Fallen schnelles Handeln gefragt ist. Neben leichten und gesteigerten Lokalreaktionen kann es in diesen Fällen zu Symptomen bekommen, die den gesamten Körper betreffen. Hierbei ist es allen voran wichtig, Ruhe zu bewahren. Folgende Fragen sind in der Notsituation zu klären:

  • Ist der Betroffene bei Bewusstsein?
  • Bekommt der Betroffene ausreichend Luft?
  • Führt der Betroffene Notfallmedikamente bei sich?

Bei einer schwerwiegenden allergischen Reaktion ist sofort der Notruf 112 zu wählen. Bis die Ärzte eintreffen, ist es ratsam, den Betroffenen so hinzusetzen, dass der Oberkörper erhöht ist und die Person sich mit den Armen abstützen kann. Zudem sollte der Betroffene nach Möglichkeit dabei unterstützt werden, gleichmäßig und tief zu atmen.

Zusammenfassung

Ob Pollenallergie, Heuschnupfen oder eine Allergie gegen Gräser – die Symptome einer Allergie sind zwar häufig harmlos, schränken aber dennoch die Lebensqualität der Betroffenen ein. Eine Untersuchung der Ursachen mithilfe von Allergietests und die anschließende Behandlung der Symptome bzw. der Ursachen helfen dabei, Kontrolle über die Allergie zu gewinnen.

FAQ

Ja, Allergien können sich auch noch später im Leben entwickeln. Gründe dafür sind unter anderem genetische Veranlagungen, wiederholte oder anhaltende Expositionen gegenüber bestimmten Umweltfaktoren, ein sich veränderndes Immunsystem oder Kreuzreaktionen des Immunsystems.

Histamin ist ein zentraler Botenstoff bei allergischen Reaktionen und verursacht verschiedenste Symptome. Antihistaminika hemmen die Wirkung von Histamin, indem sie die Bindungsstellen stabilisieren, bevor das körpereigene Histamin andocken kann. Mithilfe von Antihistaminika lassen sich allergische Reaktionen abschwächen bzw. gänzlich verhindern.

Während bei einer Allergie das Immunsystem auf Fremdstoffe reagiert und eine Abwehrreaktion zeigt, ist bei einer Unverträglichkeit das Immunsystem nicht beteiligt. Es kommt bei einer Unverträglichkeit daher zu keiner immunologischen Reaktion.

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